Was ich hier schreibe sind persönliche Erfahrungen,
Beobachtungen und Ansichten und sollen als Impulse dienen. Sie sind nicht als
Belehrungen oder Wahrheiten zu verstehen. rb


Was faszinierend ist!

Der emotionale Schmerz nach einem Beziehungsende und
die Art, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen, ist für mich schon immer
etwas Faszinierendes gewesen. Die einen streichen den oder die Ex komplett aus
dem Leben und damit jede Konfrontation mit Schmerz und Erinnerung. Die anderen,
so aus den Augen der anderen, sind so pervers und stalken den oder die Ex auf
jede erdenkliche Weise aus. Sei es im realen Leben, auf Facebook oder Twitter
oder sie schauen sich noch monatelang immer wieder Fotos oder alte Nachrichten
an, das für viele so nutzlos scheint, wie den Wetterbericht von 1953 zu lesen.

Intelligenter oder besser

Vorab, nichts ist für mich intelligenter oder besser. Es
kommt darauf an, wie hoch die emotionale Ladung des einzelnen ist, wie weit er
mit der Beziehung abgeschlossen hat und ob er die Zeit und vor allem die Kraft
hat, sich mit seinem Schmerz auseinanderzusetzen.

Ich gehörte eher zu den letzteren und mein Verhalten
erschien mir ziemlich dämlich und ich habe mich teilweise dafür selber
verurteilt. Bis mir Wolfgang, ein weiser Freund sagte: „Übernimm Verantwortung
für deinen Schmerz und projiziere ihn nicht auf die Menschen in deinem Umfeld
oder ihre angebliche Schuld“.

Danke Wolfgang! Ich verstand es erst gar nicht, weil ich
immer bereit war, meinen Anteil an der Beziehung zu sehen, sei es in ihrem
Gelingen oder auch in ihrem Scheitern. Das half auch immer kurzfristig zu
verstehen, was passiert war. Doch der Schmerz, die Trauer, die Wut und manchmal
auch der Hass waren Monate später immer noch da – eingezäunt in einem
emotionalen Gatter, aus dem er oft auch mal ausbrach, wenn ein Bild oder ein
Lied alles zur Explosion brachte.

Was hat das jetzt aber mit “Verantwortung übernehmen” für den eigenen Schmerz zu tun?

ABER warum? In der Psychologie geht man oft davon aus,
dass viele übersteigerten Ängste und emotionale Schmerzen, die durch scheinbar
harmlose Ereignisse oder Anreize ausgelöst werden (wie z.B. durch Bilder, Texte
oder Aussagen) einen frühen Ursprung haben, also diese nichts mehr mit der
aktuellen Situation zu tun haben. Einfach gesagt, das Bild, die Person oder das
Lied ist nur wie ein Eingabebefehl an ein altes Schmerztrauma, das dieses
wieder aus dem Speicher hochfährt und uns in den damaligen Zustand versetzt,
obwohl die aktuelle Situation gar nichts mehr damit zu tun hat. Achtung, das
ist mein Verständnis dieses Phänomens.

Der Schmerz, den du durch eine Handlung oder ein Ereignis
spürst, hat meistens nichts mit der aktuellen Situation zu tun, sondern löst
nur die gleichen Gefühle aus. Vereinfachtes Beispiel, das meinem Verständnis
geholfen hat:

Man verliert früh als Kind einen Elternteil oder einen geliebten
Menschen; sei es durch Trennung, Wegzug
oder Tod und man hat nicht die Möglichkeit, dies richtig aufzuarbeiten, um zu
verstehen, dass es nicht die eigene Schuld war und es auch nicht möglich war,
für dich als Kind, dies zu verhindern. Daraus können Glaubenssätze entstehen
wie: Ich bin es nicht wert – Ich mache alles kaputt etc., die du verinnerlichst
und die unterbewusst bei dir weiterwirken.

Später als Teenager oder Erwachsener können Trennungen
oder Anzeichen eines Verlassenwerdens diesen emotionalen Schmerz wieder
aufleben lassen. Angefangen in (vielleicht) unbegründeter (rasender) Eifersucht,
Verlassensängsten oder auch in der Unfähigkeit Trennungen irgendwann
verarbeiten zu können.

Das spannende ist, dass auch harmlose Ereignisse, wie das
Zuspätkommen oder der Nichtanruf deines Partners eine leichte bis mittelschwere
Panikattacke auslösen können und du stundenlang, schweißgebadet zu Hause wartest
und du dir vorstellst, dass er oder sie gerade fremdgeht oder bestimmt gleich
anruft und durch die Tür kommt und die Trennung verkündet.

Schon mal überlegt, dass…?

Schon mal überlegt, dass es vielleicht andere Gründe
haben könnte, die nichts mit dir zu tun haben? Zum Bsp. Länger arbeiten ohne
eine Möglichkeit, zu telefonieren, total vertieft in eine Aufgabe oder einfach
mal kein Bock, weil derjenige einfach mit sich beschäftigt ist und seine Laune,
aus Rücksicht und Liebe, dir als Partner, nicht zumuten möchte? Kurz, er weiß
nicht, dass er dich trifft oder was es auslöst, geschweige denn will er, dass du
leidest oder seelischen Schmerz leidest. Denk mal daran, wie oft du Sachen
gemacht hast, die einen anderen Menschen verletzt oder gekränkt haben und diese
Menschen dir eine Absicht unterstellt haben, die meilenweit von deinem Denken
oder deiner Intention waren.

Trennungen und Beziehungsende

So hart es klingt: Auch die Unfähigkeit, nach einer
gewissen Zeit eine Trennung bzw. das Ende einer Partnerschaft zu akzeptieren
bzw. mit dem Leben vernünftig weiterzumachen, hat damit zu tun. Manchmal fühlt
ein Partner früher, dass die Beziehung für ihn keinen Sinn mehr macht oder er sich
anderweitig verliebt. Dieser Partner will den anderen nicht boshaft verletzen oder
ihm Schmerzen bereiten. Er macht einfach einen für ihn logischen und ehrlichen
Schritt.

Mein Schmerz oder meine Verletztheit rühren aus meiner
Geschichte und meiner Interpretation der heutigen Situation und was ich über
mich selbst denke. Der Satz von Robert Betz trifft es für mich:

NIEMAND kann dich verletzten, wenn Du es nicht selber
schon getan hast.

Du Hure – Du
Betrüger

Das heißt, der Satz: Du bist blöd. Du bist eine Hure oder
ein Betrüger, verletzt dich nicht, weil er etwas mit der Wahrheit zu tun hat,
sondern weil du so über dich denkst. Das heißt nicht, dass dich jemand so
nennen darf oder man so miteinander reden sollte. Nein, ich möchte euch einfach
einladen, einen Mechanismus zu verstehen und vielleicht das nächste Mal besser
damit umzugehen.

Wie gehe ich mit dem Schmerz um? Was kann ich tun, um
mich zu schützen?

Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, zu verstehen, dass
wir alle, egal wie selbstbewusst und stark wir uns glauben, verletzliche
Stellen haben und uns nicht vor allem schützen können. Wir kennen unsere wunden
Punkte oft gar nicht. Und dann treten Menschen in unser Leben, denen wir unser
Herz öffnen, auf die wir uns einlassen
und plötzlich Ängste oder Gefühle in uns hoch kommen, mit denen wir gar nicht
gerechnet haben. Für mich ist es wichtig, hier achtsam zu bleiben und für sich
zu prüfen: Hat dieses Gefühl mit der aktuellen Situation zu tun, oder ist es etwas
Altes? Realitätscheck.

Es ist vollkommen Ok, dass wir uns verletzt, ängstlich
oder verärgert fühlen und dies auch ausdrücken, solange wir bei uns bleiben und
nicht den anderen dafür verantwortlich machen. Wie gesagt, unser Partner weiß
vielleicht gar nicht, dass er uns verletzt hat und wir ein Problem mit etwas
haben, welches für ihn belanglos ist. Ich denke, es ist Ok, zu sagen: „Deine
Äußerung oder dein Verhalten hat mich verletzt oder beunruhigt. Ich glaube
nicht, dass du es mit Absicht getan hast.“

Eine der ersten Schritte in der Überwindung von
Verletzungen, Angst oder Eifersucht ist die Annahme der Gefühle. Es ist in
Ordnung, dies zu fühlen, auch wenn es einen manchmal in den Wahnsinn treibt.
Das ist menschlich und du bist Mensch. Also alles ok.

Danach würde ich mir die Verletzungen anschauen und sie
nicht übergehen (sowas lässt sich nicht ignorieren und kommt immer wieder). Vielleicht ist offensichtlich, woher die
Verletzung kommt und es reicht, ihre Ursache zu verstehen und sie zu
überwinden.

Sich
bescheißen

Wenn Traumata oder Verletzungen jedoch so tief und so
versteckt sind, dass sie gesunde Beziehungen und ein normales Leben schwer
machen, ist es für mich sinnvoll, Unterstützung von außen zu holen. Es ist vollkommen
natürlich und es gibt auch keinen Grund, sich zu schämen. Es tut gut, zu
wissen, dass es noch mehr Menschen gibt, die das gleiche erlebt haben. Und es muss
ja auch im persönlichen Umfeld niemand wissen. Es gibt
genug anonyme Gruppen und Anlaufpunkte, die das möglich machen. Und selbst wenn
ein „Fachmann für Gefühlszustände“ nötig ist, darfst du dir sicher sein, dass
dies Ok ist. Weil er Menschen mit ähnlichen Tiefschlägen schon kennt und dich
deswegen vielleicht auch überraschend schnell auf einen guten Kurs lenken kann.

Klar gibt ein Buch oder ein Internet Blog erste Hinweise
und man fühlt sich verstanden. Doch oft reicht dies nicht, um dies zu überwinden,
weil man sich selbst nicht reflektieren kann. Inwieweit etwas überwunden ist,
und dann das Buch oder den Artikel zur Seite legt und sich gerne selbst
„bescheißt“ und die Wunde dann beim nächsten Trigger überraschend aufreißt.

Zeit

Was für mich in der Überwindung von Verletzungen und
Schmerzen wichtig ist – ZEIT.

Kein Mensch, keine Statistik oder Untersuchung hat mir
vorzuschreiben wie lange ich trauere, wie sehr mich etwas zu verletzen hat oder
wie ich etwas zu lösen habe. Manchmal
reicht ein Satz oder eine Erkenntnis, manchmal sind viele Gespräche und
Lektionen notwendig, um etwas zu überwinden. Es ist ein individueller Weg, es
ist dein Weg. In Länge, Dauer und Strecke.

Kümmere Dich gut um dich, um deine Seele und alles was
dich glücklich macht. Tue es hauptsächlich an allererster Stelle für dich, dein
Herz und dann für die Menschen, die dir wichtig sind.

Für
die, die nach uns kommen,
müssen
wir’s erreichen,
ignorier’n wir die Zeit der Zeichen.
Geh’ davon aus, dass mein Herz bricht…

Text
Söhne Mannheims/ Geh davon aus

Denn was immer Ihr tut…

Folgt eurem
Herzen

euer Big
Rodsch

cr/ rb 2013